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MAXINE TROGLAUER IM PORTRÄT
Mit sechs Jahren greift Maxine Troglauer zur
Posaune – eine Entscheidung, die ihr Leben
verändern wird. Heute ist sie freischa昀昀ende
Künstlerin und erlebt dabei die ganze Vielfalt
des Musiker:innen-Alltags. Über das persönliche
Jetzt! der Bassposaunistin zwischen dem
Komponieren, Musizieren und Unterrichten.
Ein einziger Tag hat das Leben von Bassposaunistin
Maxine Troglauer bis heute geprägt: der Tag der offenen
Tür an der Musikschule ihrer Heimatstadt Wiesbaden.
Die damals Sechsjährige probierte sich in Begleitung
ihrer beiden Omas durch verschiedene Instrumente.
Flöte, Klavier – und das Blechblasinstrument Posaune.
Sofort sei ihr klar gewesen, dass sie dieses Instrument
spielen wolle, erzählt Maxine Troglauer: „Der Klang der
Posaune ist dem der menschlichen Stimme sehr nahe.
Das berührt uns.“
Die bekanntesten Posaunenformen sind die Tenor- und
Bassposaune, wobei die Bassposaune etwas größer ist und
tiefer klingt. Und seit 25 Jahren bildet die Bassposaune
nun schon eine Konstante im Leben der heute 30-jährigen Musikerin: „Mein Instrument ist immer da, egal, was
in meinem Leben gerade passiert. Wie ein verlässlicher
Partner.“ Die 1995 in Wiesbaden geborene Musikerin
studierte unter anderem in New York an der Manhattan
School of Music und lebt mittlerweile als freischaffende
Künstlerin in Berlin. Klassik, Jazz und zeitgenössische
Werke gehören zu ihrem Repertoire. Sie spielt in verschiedenen Orchestern, Bands und bei Festivals. Vor
wenigen Monaten erschien ihr Debütalbum „Hymn“.
Innerhalb weniger Tage nahm sie die Platte mit Stücken
vom Barock über Modern Jazz bis hin zu zeitgenössischer
Avantgarde auf. Ein Kraftakt, sagt Maxine Troglauer, für
den sie sehr dankbar sei. Außerdem arbeitet die Musikerin in Workshops und für Hochschulen als Dozentin,
unter anderem in Köln und Mainz.
Dass aus der Leidenschaft für die Posaune ein Beruf wird,
sei aber nicht von Anfang an klar gewesen, erinnert sich
Troglauer: „Ich bin die einzige Musikerin in meiner Familie.“ Die beiden Großmütter kommen nach wie vor gerne
zu ihren Konzerten. Für die beiden Omas sei es natürlich
ganz normal, dass ihre Enkelin Posaune spielt.
Doch über eines wunderten sie sich schon, erzählt Maxine Troglauer: dass sonst kaum Frauen im Orchester
sitzen. „Vor kurzem hat meine eine Oma wieder gesagt:
,Da sitzen ja nur Männer.’ Und es stimmt schon: In Berufsorchestern hat Posaune den geringsten Frauenanteil
aller Instrumente, soweit ich weiß.“ Nach wie vor sei sie
darum mit Klischees und Stereotypen konfrontiert.
„Ich habe schon zu hören bekommen, ob ich nicht ein
kleineres Instrument spielen will oder dass man eine
größere Lunge für ein Blasinstrument brauche“, so die
Musikerin. „Ich bin groß und sportlich. Ich weiß nicht,
wie es wäre als Mann die Posaune zu spielen und ich
weiß nicht, wie es wäre ein anderes Instrument zu
spielen. Ein Instrument zu spielen, vor allem ein Blasinstrument, ist körperlich anstrengend und es braucht
viel Übung. Aber das gilt sowohl für Frauen als auch für
Männer.“ Und dass es funktioniere, sehe man an ihrem
Alltag als Musikerin.
Wenn sie als Dozentin an Hochschulen sei, erkenne
sie sich selbst manchmal in den jungen Musikerinnen
wieder und hoffe, ihnen etwas von ihrer Erfahrung der
vergangenen Jahre mitgeben zu können. Noch lieber sei
es ihr, einen Workshop mit jungen Musikerinnen und
Musikern zu leiten. Da könne man innerhalb weniger
Stunden oder Tage „einen Sack voller Überraschungen“
präsentieren und Erfahrungen teilen – auch mit den
jungen Künstlerinnen, die Rat suchen und sich gerne an
eine weibliche Dozentin wenden. „Ich möchte mich aber
nicht als klassische Vorbildfunktion sehen“, sagt Maxine
Troglauer. „Ich will mich nicht als etwas Besonderes herausstellen. Aber natürlich hoffe ich, dass sich etwas tut
und mehr Frauen es wagen, Blasinstrumente zu spielen
und den Beruf der Musikerin zu ergreifen.“ Ihre Beobachtung sei, dass sich in der letzten Zeit schon etwas
bewege: Die Zahl der Studentinnen an allen Instrumenten wachse.
MOZ - MONTFORTER ZWISCHENTÖNE MAGAZIN - N.01 - SOMMER 2026
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