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KÜNSTLER:INNEN IM SPOTLIGHT
Jetzt müsse das auch noch im Berufsleben ankommen.
„Ich weiß aus meinem Umfeld, dass es als freischaffende
Musikerin schwer ist, sowas wie ein konstantes Familienleben aufzubauen. Das erfordert sehr viel Organisation.“ Also ein unattraktiver Beruf für jemanden, der
Routinen braucht? Für sie sei es einfach der beste Job der
Welt, sagt Troglauer: reisen, neue Menschen und Orte
kennenlernen, sich künstlerisch ausprobieren. Auch,
wenn man ständig mit den eigenen Fehlern konfrontiert
werde und die Messlatte fürs Besserwerden immer höher wachse. Die berufliche Zukunft sei völlig offen und
das sei nicht immer
leicht. „Man muss
sich ständig selbst
motivieren. Aber es
hat einfach eine magnetische Wirkung.
Mein Instrument
ist wie ein Katalysator, durch den ich ausdrücken kann,
was ich sagen will. Gerade das Posaunenspiel ist sehr
körperlich, sehr intim: Man erzeugt den Ton mit dem
eigenen Körper.“
”Es hat einfach
eine magnetische
Wirkung.“
Und manchmal sei die Posaune auch einfach nur der Beruf, eine Pflicht, die ausgeübt und geprobt werden muss.
„Das ist wie ein Muskel, der trainiert werden will. Ich
würde keine längere Pause machen und danach direkt
ein Solokonzert auf der Bühne präsentieren. Ich weiß,
dass ich auch nach ein paar Tagen oder Wochen ohne zu
proben noch gut spielen kann, aber um wirklich richtig
gut zu sein, muss man immer dran bleiben.“ Das Spiel
sei eben sehr sensibel. Auch Aufregung höre man direkt:
Flacher Atem, zusammengepresste Lippen – alles überträgt sich sofort auf das Instrument. Um im Training zu
bleiben, übt Maxine Troglauer darum derzeit Suiten von
Bach. Das sei eben der Teil der Arbeit als Musikerin, der
sein müsse. Die Pflicht. Als Kür hat die 30-Jährige zuletzt
eigene Stücke komponiert. „Das habe ich jetzt zum ersten
Mal gemacht und es war richtig cool, etwas Eigenes zu
schreiben!“ Zusammen mit Studierenden hat sie ihre
Kompositionen dann geprobt. Diese Momente des völligen künstlerischen Auslebens seien selten und kostbar.
Augenblicke, in denen man vollkommen im Hier und
Jetzt mit seinem Instrument sein könne. Selten, aber sehr
wichtig für das vollgepackte Leben einer freischaffenden
Musikerin, erzählt die Posaunistin.
Loslassen und einfach nur da sein könne sie zum Beispiel
in der Band „Omniversal Earkestra“, die jeden Montagabend in Berlin mit Jazz oder auch westafrikanischen
Klängen live auf der Bühne steht und in der sie seit gut
vier Jahren regelmäßig mitspielt. Es gebe dabei kein Rich-
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tig oder Falsch, das Publikum werde direkt angesprochen
und mitgenommen. „Diese Musik ist gemacht, um die
Menschen zu verbinden. Ein total schönes Erlebnis, dabei
sein zu dürfen“, erzählt Troglauer.
Ihr sei bewusst, dass die Musikwelt ständig im Wandel
sei, auch beeinflusst von aktuellen Geschehnissen in der
Gesellschaft. Und als Berufsmusikerin sei man immer ein
Teil der Gesellschaft.
Viele ihrer Kolleginnen und Kollegen verarbeiteten
Ängste und Druck von außen in ihren Kompositionen,
das helfe und biete einen Gegenpol. Es gebe wohl keine
Künstler:innen, die aktuelles Geschehen kalt lassen könne. „Wir sind schon eher ein sensibles Völkchen. Man hat
zum Beispiel in der Pandemie gesehen, dass die Menschen
Musik brauchen und trotzdem wurde an der Kultur
gespart. Manchen bedeutet Musik alles, manchen gar
nichts. Und genau dazwischen ist unser Platz.“ Im Hier
und Jetzt gebe es für Musikerinnen und Musiker darum
die gleichen Möglichkeiten wie eigentlich schon immer,
so Troglauer. Die Art der Förderung wandele sich im Laufe der Zeit, in Deutschland
werde es aber nach wie
vor als Teil der Hochkultur angesehen und es gebe
glücklicherweise noch feste
Kulturinstanzen. Doch
man wisse nie, wie sich das
künftig ändere, so Troglauer. Doch sie ist sich sicher:
„So lange wir Menschen
eine Zunge zum Singen haben, Lippen zum Musizieren
und Ohren zum Hören, wird es Musik geben.“
“Wir sind
schon eher
ein sensibles
Völkchen.”
Nach den vergangenen Monaten voller Lehrtätigkeiten, dem Veröffentlichen ihres Albums und dem vielen
Pendeln freue sie sich nun darauf, eine neue Balance in
ihrem Leben zu finden. „Ich brauche aktuell etwas mehr
Ruhe als selbstständige Musikerin, ich suche jetzt das
richtige Maß aller Projekte. Man übernimmt sich als
Künstlerin leicht. Ich möchte mich nun mal wieder stärker auf mich und das Spielen an sich fokussieren.“
Auch die Vorfreude auf den Sommer steige. „Wenn es
draußen warm und sonnig wird, werden auch die Menschen offener.“ Dann stehe die Festivalsaison an. „Ich war
noch nie in Feldkirch, darum freue ich mich besonders
auf die Landschaft und die Menschen bei den Montforter
Zwischentönen!“
MOZ - MONTFORTER ZWISCHENTÖNE MAGAZIN - N.01 - SOMMER 2026