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KÜNSTLER:INNEN IM SPOTLIGHT
Der Mann
hinter der
Kamera
EIN INTERVIEW VON SILJA VINZENS
Er hat nie von der Kamera geträumt – und doch
prägt Andreas Höfer seit Jahrzehnten das deutsche
Kino mit Bildern, die bleiben: Im Gespräch erzählt
er, warum Technik nur Werkzeug ist, Kreativität
nicht automatisierbar – und weshalb der Film für
ihn immer schon vor dem ersten Drehtag beginnt.
Gab es einen Moment oder ein Bild in Deinem Leben,
von dem Du sagen würdest, da wusste ich, dass die Kameraarbeit mein Weg ist?
Nein. Das war die zweite oder dritte Variante in meinen
Berufswünschen, weil die erste – Malerei und Grafik –
nicht geklappt hat, was ich heute nicht mehr schlimm
finde. So war die Kameraarbeit etwas, das ich auch mal
probieren wollte, nach dem Motto ,Mal gucken, ob es
klappt’. Das Interessante ist, dass ich dann an die Filmhochschule aufgenommen wurde, ohne vorher jemals
etwas gedreht oder gefilmt zu haben. Das ist aus heutiger Sicht sicherlich schwer vorstellbar, weil mittlerweile Dreijährige schon erste Filmchen mit dem Handy
drehen. Vor 40 Jahren war das natürlich noch anders.
Ich hatte also im ersten Studienjahr das erste Mal die
Filmkamera in der Hand und wir bekamen erst einmal
die ganze Technik erklärt, bevor wir die ersten Filmrollen eingelegt und belichtet haben.
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Ist denn die technische Entwicklung – Stichwort „Künstliche Intelligenz“ – dadurch etwas, was jemanden wie Dich,
der die Technik von der Pike auf gelernt hat, eher frustriert
oder siehst Du den Fortschritt positiv?
Ich möchte nicht mehr analog arbeiten, weil man da letztendlich während der Arbeit viel weniger ändern kann. Das
Filmmaterial in der Kamera hatte ja früher eine begrenzte
Laufzeit, man musste also nach spätestens zehn Minuten
eine neue Rolle einlegen. Und das, was man gedreht hat,
hat man auch nicht sofort, sondern erst ein paar Tage
später sehen können. Das würde heute den Produktionsprozess, so wie wir ihn zum Beispiel auch bei den Zwischentönen planen, gar nicht ermöglichen können. Man
tauscht sich heutzutage ja mit dem Regisseur während der
Arbeit immer wieder darüber aus, ob das aufgenommene
Bild jetzt den Vorstellungen entspricht oder noch Änderungen nötig sind. Früher war die Arbeit da viel fiktiver. Es ist
interessant gewesen, auf diese Weise in den Beruf einzusteigen, aber inzwischen ist die Arbeit eben einfach anders.
MOZ - MONTFORTER ZWISCHENTÖNE MAGAZIN - N.01 - SOMMER 2026