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KÜNSTLER:INNEN IM SPOTLIGHT
Es hat einfach
eine magnetische Wirkung.
SZENENFOTO AUS DEM FILM „SOMMER VORM BALKON“ MIT ANDREAS SCHMIDT UND NADJA UHL IN DEN HAUPTROLLEN.
Ruhe, Austausch, akribische Vorbereitung: Was brauchst
Du an einem Set, um gut arbeiten zu können?
in Konflikt gekommen.
Der Film beginnt ja nicht erst mit dem ersten Drehtag. Als Kameramann bin ich auch mal dabei, wenn die
Schauspieler:innen gecastet, Kostüme ausgesucht und
Drehorte ausgewählt werden. Letztere sind ganz besonders wichtig für mich. Da gibt es ja extra die SzenenbildAbteilung für, oftmals suche ich aber auch selbst. Um zu
wissen, ob das alles passt, ist natürlich auch der Austausch mit dem Regisseur vorher wichtig. Am Drehtag
selbst habe ich inzwischen ein festes Ritual: Ich versuche
immer, der Allererste am Set zu sein. Diese halbe Stunde
in der Früh allein mit meinen Ideen beziehungsweise
meinen ,Noch
nicht-Ideen’ brauche ich, um dann
eine Vorstellung
zu entwickeln.
Dann trudeln
langsam Team
und Catering ein,
wir trinken den
ersten Kaffee und
dabei kann ich
dem Regisseur schon etwas vorschlagen. Aus der alleinigen Konzentration ins große Team gehen, das ist meine
Herangehensweise.
Wie gehst Du damit um, wenn Du sehr emotionale oder
heftige Momente 昀椀lmst? Nimmt man da etwas mit nach
Hause?
„Aus der alleinigen
Konzentration ins
große Team gehen,
das ist meine
Herangehensweise.“
Gibt es etwas, das Du bewusst nicht inszenieren oder
zeigen willst?
Nein, das kann ich so pauschal nicht sagen. Sicherlich
gibt es moralische Grenzen, aber damit bin ich bisher nie
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Naja, die krassen Szenen sind ja deshalb so heftig, weil
wir sie so zeigen wollen. Ich werde also nicht überrascht.
Beim Dokumentarfilm wäre das vielleicht etwas anderes, aber das ist mir bisher ein Glück erspart geblieben.
Beim Spielfilm entstehen die Bilder ja in meinem Kopf.
Für Schauspieler:innen, die da in das Gefühl gehen und
dann eventuell auch mal davon überwältigt werden,
kann das anders aussehen. Für uns hinter der Kamera
ist sowas dann eher ein Grund zur Freude, wenn ein Bild
in der Intensität so stark wird, wie wir es vorher geplant
haben. Wenn der Film dann mit all seinen Facetten
fertig ist und ich ihn schaue, kommt es eher mal vor,
dass ich emotional berührt werde, weil ich dann das
Handwerkliche wieder ausblenden und mich einfach als
Zuschauer darauf einlassen kann.
Gibt es einen Film, der Dich besonders geprägt hat?
Da gibt es schon einige Höhepunkte: mein erster großer
Kinofilm „Stilles Land“, aber auch „Nachtgestalten“ und
„Sommer vorm Balkon“ gehören sicherlich dazu. Die
erste Zusammenarbeit mit Volker Schlöndorff war außerdem sehr besonders, weil es das erste Mal war, dass
ich mit jemandem zusammengearbeitet habe, der nicht
aus meiner Generation, sondern aus der meines Vaters
stammt. Da zu erfahren, dass das dennoch auf Augenhöhe und sehr kollegial abläuft, war sehr eindrücklich.
2006 habe ich mit ihm für das Historiendrama über die
MOZ - MONTFORTER ZWISCHENTÖNE MAGAZIN - N.01 - SOMMER 2026