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KÜNSTLER:INNEN IM SPOTLIGHT
Zwischentönen freuen seine Kolleg:innen und er sich auf einen „bunt
gemischten Abend“ und insbesondere auf die Zusammenarbeit mit Silvia
Salzmann. „Wir kennen uns gut und es ist immer wieder eine große
Freude“, sagt der Bratschist. „Wir werden auf jeden Fall sehr skurril
sein“, kündigt er mit Augenzwinkern an. Denn das Ensemble wisse an
dem Abend ja selbst noch nicht, was passieren wird. „Wir gehen wieder
zurück zum Ursprung der Menschen, wo man ums Feuer saß und sich
gegenseitig zu Rhythmen und Musik inspiriert hat“, beschreibt er das
Konzept. Sicherlich werde es Jazzeinflüsse und spektrale Klänge, also
solche, deren Struktur auf bestimmten Frequenzen und Obertönen basieren, an diesem Abend geben. „Deswegen finde ich das visuelle Element,
nämlich den Tanz, dabei auch so wichtig“, meint Guy Speyers. So sei „ein
bisschen etwas für alle“ dabei. Bewegt dann der Tanz die Musik oder umgekehrt? „Wir werden uns beide gegenseitig zum Schwingen bringen“, ist
sich der Musiker sicher.
„Viele Leute werden vielleicht sagen, dass das, was wir tun Quatsch ist“,
sagt er. Warum sich die Zuhörer:innen dennoch darauf einlassen sollten?
„Weil sie so etwas nie wieder sehen und hören werden. Es ist ein einmaliges Erlebnis“, meint er, ohne zu zögern. Denn: „Wie wir die Synthesizer
nutzen, welches Drumkit verwendet wird, welche Töne wir in welcher
Reihenfolghe spielen – das wird nie wieder so in dieser Kombination zu
erleben sein.“
Der Mut zum Risiko sei bei der Neuen Musik das Wichtigste. „Wenn
da ein Lauf mit unendlich vielen Tönen in den Noten steht, der eigentlich unspielbar erscheint, dann geht es eben nicht darum, dass jeder Ton
wirklich so, wie er geschrieben ist, auch erklingt, sondern darum zu spielen – darum, dass der Effekt hörbar ist“, erläutert Guy Speyers. Eigentlich sei es nicht anders als in der Klassik. „Was bringt es, wenn jemand
alles perfekt trifft, aber es musikalisch langweilig ist? Der Mut zum
Risiko wird immer belohnt, weil es viel spannender klingt“, meint er. Für
ihn habe die Neue Musik auch etwas Befreiendes. „Nicht, weil ich Angst
vor der Technik hätte, sondern aus dem musikalischen
Blickwinkel. Ich liebe die anderen Epochen genauso,
aber ich war schon ein paar Mal in Kammermusikkonzerten, wo ich bei sowas wie einem Dvorak-Streichquartett und einer Wiederholung im ersten Satz gedacht
habe, ob die Leute das jetzt wirklich hören wollen. Aber
dieser Gedanke gilt nur für mich“, sagt er und fügt lachend an, dass er wohl auf dem richtigen Platz sitze mit
seiner Position im Ensemble Plus. „Da fühle ich mich
wirklich zuhause.“
„Da fühle
ich mich
wirklich
zuhause.“
Und wie sieht es mit einem Wunsch des Bratschisten zum 30-jährigen
Jubiläum des Ensembles aus? „Zum einen Mut vonseiten der Politik,
uns sozusagen ,Vollgas’ zu fördern. Und dass wir einen Weg finden, die
Kompositionslandschaft in Vorarlberg wieder und weiter aufzubauen.
Zum anderen wünsche ich uns, dass wir so aktuell wie möglich sind mit
unserer Musik. Eben ganz im Jetzt.“
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MOZ - MONTFORTER ZWISCHENTÖNE MAGAZIN - N.01 - SOMMER 2026