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Alles in Bewegung bringen, Menschen vernetzen und
Räume erschließen: Das ist Silvia Salzmanns Welt. Die
Tänzerin und Choreogra昀椀n aus Vorarlberg übernimmt ab
diesem Jahr neben Folkert Uhde die Künstlerische Leitung
der Montforter Zwischentöne. Ein Gespräch über Mut,
neue Wege, Bühne und Publikum sowie Zukunftsvisionen.
Inwiefern kann der Körper Dinge ausdrücken, für die Worte nicht ausreichen?
Da muss ich zuallererst sagen, dass Worte gar nicht mein Revier sind. Ich lese zwar gerne, aber das Prinzip des Körpers löst etwas ganz anderes bei mir aus, als das der Sprache.
Heißt: Ich kann ganz woanders landen, wenn ich etwas mit dem Körper ausdrücke. Es
ist wie mit zwei verschiedenen Sinnen. Und im Gegensatz zum Sprachsinn ruft der Sinn
für die körperliche Präsenz bei mir eine viel stärkere Reaktion hervor. Diese berührt
mich mehr als es jedes Wort könnte. Sie bringt mich dadurch erst in Bewegung und gibt
den Emotionen Raum.
Du sagst „Worte sind nicht mein Revier“, und ich schätze, vielen Menschen geht es beim
Gedanken an das Tanzen genauso. Braucht man nicht gerade zur Bewegung mit dem
Körper – vor allem vor Publikum – wahnsinnig viel Mut?
Also ich schwitze jetzt während dieses Interviews vermutlich sehr viel mehr als beim
Tanzen (lacht). Und Mut gehört zu jeder Art von Kunst oder Äußerung im öffentlichen
Raum. Sich in Begegnungen mit anderen Menschen zu öffnen und authentisch zu sein,
ist Herausforderung und größte Bereicherung zugleich. Für mich ist das auf der Bühne
stehen mit dem Tanz genau dieses sich öffnen. Dazu gehört wahrscheinlich Mut, aber
für mich ist es das Werkzeug, mit dem ich mich am besten ausdrücken kann.
Wann hast Du gemerkt, dass der Tanz Dein Werkzeug ist?
Ich habe immer schon getanzt. Meine Mutter hatte auch früh das Gefühl, dass ich damit
etwas machen will. Für mich war das allerdings nicht gleich so klar, denn oft stand mir
das Klischee einer Balletttänzerin im Weg, da ich das gar nicht bin. Den daran anhängenden Formen und Etiketten konnte ich nie genügen, also folgte daraus, dass ich mir
meinen eigenen tänzerischen Weg suchen muss. Ein Schlüsselmoment war dann, nachdem ich lange in einer Company in Vorarlberg getanzt habe, die Frage, was ich eigentlich mit meinem Leben machen will. Nach der Matura bin ich ein Jahr nach Costa Rica
gegangen, habe Spanisch gelernt und mir die Zeit genommen, eine Entscheidung zu treffen. Danach war klar: Ich will es probieren, egal, welche Wege es gibt. Neben Ballett und
Showtanz kannte ich noch nichts, denn es gab in Vorarlberg nichts anderes. Das ist jetzt
20 Jahre her und heute kann ich sagen, dass es genau die richtige Entscheidung war.
Du hast eben gesagt, Du hättest Dich gar nicht als Balletttänzerin gesehen, verbunden
mit den damit verknüpften Klischeebildern der spindeldürren Tänzerin, die sich
runterhungert und verbissen an Perfektion arbeitet. Was würdest Du sagen, warum
Tanz vielleicht auch nicht immer nur schön und perfekt sein muss?
Ich glaube, das ist genau der Punkt: nicht schön sein zu müssen oder auch, dass der
Tanz, den ich verkörpere, eine ganz andere Aufgabe hat, als im Ballett. Denn im Ballett gibt es sehr viele vorgefertigte Formen. Es war jedoch gerade meine Ballettlehrerin
MOZ - MONTFORTER ZWISCHENTÖNE MAGAZIN - N.01 - SOMMER 2026
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