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DAS GROSSE INTERVIEW
man beim großen Sprung nicht selten mit
den Händen an der Decke landete. Das waren meine ersten Berührungspunkte mit
Choreografie, oft bezogen auf die Musik
oder ein bestimmtes Gefühl. Die Technik
und das, was Choreografie alles bedeutet,
habe ich dann erst im Studium an der
MUK (Anm.d.Red.: Musik - und Kunstuniversität) in Wien gelernt. Das war
total spannend, weil mein Körper dabei
wie zurückgeschraubt und neu aufgesetzt
wurde – und sich dann zusammen mit
den Dingen, die ich davor gelernt habe,
neu eingependelt hat.
Verbindest Du heute immer Choreogra昀椀e
und Tanz? Oder vertanzt Du auch, was
andere choreogra昀椀ert haben?
damals, die mir sehr viele Wege gezeigt
hat, wie man mit Tanz abseits der Formen auch umgehen kann: dass man neue
Bewegungen erfinden kann, dass für jede
Emotion eine andere Art von Bewegung
erforderlich ist. Für jedes Thema muss
man forschen. Und so war für mich schon
damals klar, dass mich die Bewegungen
des Balletts einschränken und es noch
viel mehr gibt. Der Körper ist dabei das
Werkzeug, das man auf verschiedene Art
einsetzen kann, so wie man auf einem
Instrument unterschiedliche Töne erzeugt.
Jeder Körper klingt auch anders. Bei mir
war da immer die Neugier, was noch alles
möglich ist.
Du bist nicht nur Tänzerin, sondern auch
Choreogra昀椀n. Nimm uns mal ein bisschen
in Deinen Werdegang mit: Wann kam das
Choreogra昀椀eren dazu?
Es ist insgesamt sehr breit gefächert. Ich
tanze auch in Choreografien von anderen, aber der Hauptfokus liegt schon auf
Choreografien, die ich für unterschiedliche
Räume und Menschen kreiere. Dabei bin
ich meistens selbst auch als Akteurin, Mitdarstellerin und Mittänzerin auf der Bühne, weil es mir so viel Freude macht, es
auszuleben. Ich habe aber auch im Landestheater Vorarlberg zum Beispiel schon mal
ausschließlich als Choreografin gearbeitet.
Wann bist Du aufgeregter? Als Choreogra昀椀n im Publikum oder als Tänzerin
eines fremden oder eigenen Stücks auf der
Bühne?
Im Publikum, ganz eindeutig (lacht)! Weil
man es dann aus der Hand gegeben hat
und selbst nichts mehr machen kann.
Auf der Bühne bin ich so in der Rolle und
in dem Moment, dass es einfach nur ein
Genuss ist. Beim Zuschauen braucht es
immer das Abschalten. Nach einer Weile
gelingt mir das dann schon auch und ich
kann mich an dem, was ich sehe, freuen.
Wir haben das in der Ballettschule bereits
in jungen Jahren gelernt. Mit 14 Jahren
durften wir uns schon für die Weihnachtsaufführungen unsere eigenen Choreografien überlegen – und auch für Wettbewerbe. Das war total motivierend, dass man
da selbst so kreativ werden durfte. Damals
noch im Kellerraum bei meinen Eltern, wo
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MOZ - MONTFORTER ZWISCHENTÖNE MAGAZIN - N.01 - SOMMER 2026